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"Einfach Anders"

Umbau bei T-Deutschland

"Einfach Anders"

Raum für neue Konzepte. Digitalisierung braucht Strategien. Werner Bachmeier Die Telekom denkt wieder nach.  – Digitalisierung verändert. Strategien für den Umbau sind notwendig.

Nicht zuletzt unter dem Eindruck der fortschreitenden Digitalisierung baut die Deutsche Telekom das Deutschland-Segment mit seinen Betrieben um. Zukünftig werden Beschäftigte anderen Betrieben zugeordnet und Prozesse neu gestaltet. „Einfach Anders“ heißt das Projekt. Aber die Umbaupläne der Telekom unterscheiden sich dieses Mal prinzipiell von dem, was die Beschäftigten mit dem T-Service-Konflikt 2007 erleiden mussten.

Vor dem nun anstehenden Umbau gelang es den Konzern davon zu überzeugen, für jene Beschäftigten, die den neuen Gliederungen zugeordnet werden, Löhne, Arbeitszeiten und andere Konditionsbestandteile umfassend tarifvertraglich zu sichern. Viele, auch viele, die der Umbau nicht berührt, sollen wieder ein hundertprozentiges Festentgelt - unter Wegfall der Variablen - erhalten und eine Wochenarbeitszeitverkürzung um zwei Stunden, die hilft, die Beschäftigteneinbrüche zu mindern, die durch die Digitalisierung entstehen. Niemand wird aus dem Job oder der Region gedrängt, die Aufgaben wandern mit den Beschäftigten, ohne dass es zusätzliche Standortschließungen gibt. Alle Beschäftigten, die noch keine betriebliche Altersversorgung haben, sollen sie jetzt erhalten und die neuen Gesellschaften werden voll tarifiert. Diese Zusagen schaffen für die Beschäftigten in den betroffenen Einheiten Schutz und Perspektiven. Die vorliegenden Umbaupläne unterscheiden sich schon deshalb extrem deutlich von den Vorgehen, mit denen die Deutsche Telekom 2007 versucht hatte, die Beschäftigten zu erpressen.

Letter of Intent

ver.di und den ver.di-Vertreterinnen und -Vertretern in den Aufsichtsräten gelang es, mit einem Letter of Intent bemerkenswerte Sicherungen und Fortschritte auszuhandeln – das kann sich sehen lassen. Trotzdem: Der Firmenumbau ist nicht einfach – auch wenn der Projektname „Einfach Anders“ lautet. Fast 15.000 Menschen werden neu zugeordnet. Es wird Unruhe, Orientierungssuche und Fragen geben. Beschäftigte werden sich in neue Aufgaben einarbeiten müssen. Geänderte Prozessketten müssen sich mit Leben füllen. Die Telekom tut gut daran, auch all dies mit den Beschäftigten und nicht gegen sie zu organisieren.

Die Telekom verantwortet am Ende das neue Organisationsmodell und muss die Versprechen einlösen, die sich damit verbinden. Die Beschäftigtenvertreter haben alles Menschenmögliche getan, um beim Übergang in die neuen Arbeitssysteme grundlegende Sicherungen und Konditionenverbesserungen durchzusetzen. Diese müssen jetzt in Tarifverträge gegossen werden, die für alle Betroffenen rechtssicher und nachvollziehbar sind. Bei allen hilfreichen Vorfestlegungen – viel Arbeit liegt noch vor beiden Seiten.

 

Die Beschäftigtenvertreter haben alles Menschen-mögliche getan, um beim Übergang in die neuen Arbeitssysteme grundlegende Sicherungen und Konditionen-verbesserungen durchzusetzen. Diese müssen jetzt in Tarifverträge gegossen werden, die für alle Betroffenen rechtssicher und nachvollziehbar sind.

Kernelemente des Umbaus

Das Umbauprojekt heißt „Einfach anders“ und lässt sich mit drei größeren organisatorischen Kernelementen beschreiben: Es wird eine neue Gesellschaft gegründet, die aus der DTKS hervorgeht und in die Aufgaben des Technischen Services und der TDG integriert werden. Diese neue Service-Gesellschaft soll die größten Teile des operativen Innendienstes umfassen.

Eine Geschäftskundenvertriebsgesellschaft soll gegründet werden, um den Markteingang in diesem Vertriebssegment weiter zu verbessern. Danbeben soll aus der T-Shop-Gesellschaft heraus eine Privatkundenvertriebsgesellschaft gegründet werden, die auch für den Internetvertrieb zuständig ist und einen „Omnichannel“ für Privatkunden gewährleisten soll.

Leitplanken gegen die Risiken

Die Gefahren einer derartigen Organisationsveränderung sind groß, wenn keine Leitplanken für den Umbau verabredet werden. Es drohen dann Einkommens- und Konditionsverschlechterungen für jene Beschäftigte, die Betrieben zugeordnet werden, in denen ein niedrigeres Tarifniveau gilt. Berufliche Fortkommensmöglichkeiten könnten ins Wanken geraten, wenn es dafür keine Tarifsicherung gibt und die Sicherheit des Arbeitsplatzes ist gefährdet, wenn keine Vorsorge für die gleichzeitig auftretenden Rationalisierungswirkungen der Digitalisierung betrieben wird. 2007 hat die Deutsche Telekom im T-Service-Konflikt das Ziel verfolgt, massiv das Einkommen der Beschäftigten zu verkürzen, die Arbeitszeit zu verlängern, die Unsicherheit zu verstärken und die Abhängigkeit auszubauen. Dies zu verhindern ist damals erst nach einem 11-wöchigen Arbeitskampf gelungen.

Handelsblatt-Auszug Handelsblatt "Digitalisierung gefährdet viele Jobs"  – Auszug aus dem Handelsblatt vom 15.09.2016 mit einem Interview mit Christian Illek und Lothar Schröder: http://www.handelsblatt.com/my/unternehmen/it-medien/telekom-personalchef-illek-und-verdi-vorstand-schroeder-die-digitalisierung-gefaehrdet-viele-jobs/14545762.html

Aus dem Konflikt scheint die Deutsche  Telekom gelernt zu haben. Dieses Mal wurde mit den ver.di-Vertretern aus den Aufsichtsräten Eckpunkte für den Umbau in einem „Letter of Intent“ festgehalten, die Leitplanken für die neue Umorganisation bieten. Die Verabredungen sichern die Beschäftigungsbedingungen, verbessern an manchen Stellen die Konditionen und schaffen die Bedingungen, um die Beschäftigungssicherheit auch mittelfristig aufrecht erhalten zu können.

Details zu den Ergebnissen aus dem Letter of Intent werden in den kommenden Tagen und Wochen über unsere Landesbezirksfachbereiche, und Bezirke kommuniziert. Außerdem planen für die nächste KOMM, die Anfang November versendet wird ausführlich und kommentiert über die aktuellen Umbaupläne zu berichten.

Tarifvertraglich relevante Informationen gibt es hier.