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Klassengesellschaft

Klassengesellschaft

Die Telefónica Deutschland ist nicht nur eine Aktiengesellschaft, sondern zergliedert ihre Beschäftigten in Ober- und Unterschichten, sozusagen in eine Klassen-Gesellschaft. Das gilt nicht nur für eine gesellschaftsrechtliche, sondern auch für eine soziale Betrachtung. Während die Beschäftigten auf Boni und Gehalt verzichten, kassieren die Aktionäre 744 Mio. Euro Dividende.

Geld, das auf dem Rücken der Beschäftigten unter schwierigen Umständen erwirtschaftet wurde. Umgerechnet auf die Zahl der Beschäftigten entspricht die Dividende rund 78.000 Euro pro Kopf.


Auf dem Rücken der Beschäftigten

Während die Aktionäre profitieren, machen die Beschäftigten den Buckel krumm, müssen auf Boni verzichten, eine zweite Lohnlinie am Mindestlohn hinnehmen und die Arbeit von über 1.000 Kolleginnen und Kollegen übernehmen, die die deutsche Telefónica mittlerweile verlassen haben.

In diesen Tagen nun bittet der Arbeitgeber wieder die Betriebsräte der Telefónica oHG an den Tisch. Die oHG ist die Obergesellschaft im Konzern und umfasst ca. 4.400 Beschäftigte von derzeit 9.500 im Konzern. Der Arbeitgeber wird wohl wieder, wie in den vergangenen Jahren, ein willkürlich gewähltes Budget für eine Lohnerhöhung zur Verfügung stellen, dass es zu verteilen gilt. Wenn es gut läuft. Im schlechten Fall wird der Arbeitgeber ggf. gar nichts zum Verteilen anbieten.

Kopfprämie mit Nasenfaktor

In den letzten Jahren wurde ein Teil dieser Verhandlungsmasse in der oHG mit der Gießkanne verteilt, einen anderen Teil durften oHG-Führungskräfte willfährig vergeben. Sozusagen als Kopfprämie mit Nasenfaktor. Gestand der Arbeitgeber zum Beispiel zwei Prozent der Gehaltssumme als Gehaltserhöhung zu, wurde ein Prozent davon gleichmäßig auf alle Beschäftigten in der oHG und ein weiteres Prozent als „Kopfprämie“ verteilt.

Dabei sind die Beschäftigten der oHG noch auf der sonnigen Seite des deutschen Telefónica-Konzerns. Ein großer Teil der Beschäftigten wird von dieser Gehaltserhöhung gar nichts abbekommen, denn sie gehören nicht zur oHG! Ob solche Gehaltserhöhungen auch in anderen Telefónica-Gesellschaften vorgesehen sind, ist derzeit nicht bekannt.

 


Der Kitt bröckelt!

 


Telefónica Deutschland driftet immer stärker in eine soziale Spaltung ihrer Beschäftigten. Dieser Zustand ist kritisch zu beobachten und Betriebsräte und ver.di soll- ten daran arbeiten, dieses Rad wieder zurückzudrehen. Die Beschäftigten verstehen das und organisieren sich zunehmend in ver.di.

ver.di ist die Organisation, die den Druck der sozialen Spaltung kanalisieren und auf den Arbeitgeber reflektie- ren kann. So jedenfalls, wie es sich bei Telefónica der- zeit entwickelt, ist es für viele Beschäftigte und Betriebs- räte nur schwer erträglich. Gerechtigkeit ist der Kitt, der die Telefónica-Beschäftigten mit ihrem Unternehmen verbindet. Dieser Kitt bröckelt!