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T-Systems: Brief an die Beschäftigten

T-Systems: Brief an die Beschäftigten

Betriebsrat und ver.di haben sich in einem gemeinsamen Brief an die Beschäftigten gewandt und ihre Sicht auf die von T-Systems Chef Al Saleh angekündigten Veränderungen erläutert:

 

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

wir wenden uns heute mit einem offenen Brief an Sie, damit Sie aus erster Hand erfahren, wie es derzeit aus unserer Sicht um das Vorhaben einer erneuten Transformation der T-Systems steht.

Im Intranet haben Sie die Ideen und Vorschläge unseres neuen CEOs Adel Al-Saleh in Wort und Bild bestimmt gelesen. Die Gremien der Unternehmens- und betrieblichen Mitbestimmung (Aufsichtsrat DTAG und T- Systems, Gesamt- und Konzernbetriebsrat, Gewerkschaft ver.di) sind vor diesen Verlautbarungen an die Belegschaft nur zum Teil informiert worden. Dies ist der generelle Kritikpunkt, den wir zu den teilweise sehr weitgehenden Umbauplänen haben: Ohne eine Beteiligung der angesprochenen Gremien und der Gewerkschaft kann das Ganze nicht funktionieren.

Aber zunächst möchten wir auf die von Herrn Al Saleh angesprochenen einzelnen Fokusthemen kurz eingehen und dazu unsere Sicht darstellen.

Fokusthema Sales: Wenn wir uns den Auftragseingang des letzten Jahres ansehen, ist klar, dass es Veränderungen im Bereich Sales geben muss. Dieser Erkenntnis verschließen wir uns selbstverständlich nicht. Die angedachte Organisation des neuen Bereichs kommt uns allerdings seltsam vertraut vor. Gleiches gilt auch für die bereits vorgestellten handelnden Personen, die uns im Lauf der letzten Jahre schon fast jede Himmelsrichtung als einzig wahre Richtung präsentiert haben.

Fokusthema Portfolio: Die Steuerung der Firma soll in Zukunft ausschließlich über Portfolio-Elemente erfolgen. Anhand dieser Elemente soll dann die finanzielle Steuerung erfolgen und insbesondere sollen damit darin auch Entscheidungen getroffen werden, wie es mit dem jeweiligen Element weitergeht. Der Ansatz klingt gut. Wer in seiner Dateiablage allerdings noch die Unterlagen der letzten Jahre verwahrt hat, wird auch mühelos Portfolio-Kacheln und –Steuerung finden, die dann sang- und klanglos wieder in der Versenkung verschwunden sind.

Fokusthema Delivery: Hier werden Vereinfachung, Automatisierung, schlankere Prozesse, bessere Tools und engere Zusammenarbeit in den Vordergrund gestellt. Diesen groben Überschriften können wir im Prinzip zustimmen, aber der Teufel steckt hier bekanntlich im Detail. Und damit wären wir auch wieder nahtlos beim Thema aus der Einleitung: Umgesetzt werden können diese Ideen nur, wenn wir bereits im Vorfeld bei der Gestaltung unsere Vorschläge einbringen können.

Fokusthema Querschnitt: Zu diesem Thema steht die Erkenntnis im Raum, dass bei der T-Systems zu viele Menschen mit Tätigkeiten beschäftigt sind, die ohne direkten Kundenkontakt stattfinden. Dazu wurde uns nur präsentiert, dass Kosten gesenkt werden müssen. Wie diese Kostensenkung sich schlimmstenfalls in Abbauzahlen von Beschäftigten übersetzt, war dann auch bei der Vorstellung im Gesamtbetriebsrat die erste Frage. Es war nicht die einzige, die ohne echte Antwort geblieben ist.

Neben diesen Fokusthemen ist letzte Woche der Arbeitnehmerbank des Aufsichtsrats und dem Gesamtbetriebsrat auch die Idee vorgestellt worden, die T-Systems International in zwei Legaleinheiten aufzuteilen. Begründet wird dieses Vorhaben damit, dass eine eigene IT-Gesellschaft einfacher zu steuern ist, Partnerschaften und Zukäufe einfacher zu bewerkstelligen sind und eine Aufstellung für das IT-spezifische Geschäft einfacher zu bewerkstelligen ist. Dass dieses Hochziehen einer neuen Mauer den Ankündigungen einer einfacheren und besseren Zusammenarbeit zwischen IT, TC, DD und T-Sec diametral entgegensteht, müssen wir hier eigentlich nicht erwähnen. Hinzu kommt, dass es keinerlei Informationen dazu gab, welche Teile der T-Systems überhaupt in diese neue Gesellschaft verschoben werden. Wir gehen davon aus, dass aus der jetzigen IT Division noch Teile herausgelöst werden und nicht in die neue Gesellschaft verschoben werden sollen. Wenn man das Bild nimmt, das die deutsche und die internationale Presse zeichnen, wird die IT GmbH wahrscheinlich nur die Teile beinhalten, die nicht direkt für den Konzern arbeiten oder deren Ertrag unter den vom Konzern gewünschten Zielen bleibt. In einem solchen Szenario ist diese Gesellschaft eine „Bad Bank“, in der schlecht laufende Geschäftsbereiche gebündelt werden. Die Hoffnung, dass dieser Ansatz in der Belegschaft nicht erkannt wird, ist naiv. Wie diese Ansage bei unseren Kunden angekommen ist, werden wir in den nächsten Monaten sehen. Deren Reaktionen auf IT-Angebote dürften interessant werden.

Alles in allem betrachten wir das Vorgestellte als Ansätze, über die gesprochen werden muss. Wir sind von der Art und Weise, die Mitbestimmungsgremien links liegen zu lassen und die bei weitem nicht in ausreichender Tiefe vorgestellten Ideen jetzt durchzupeitschen, im höchsten Maß verstimmt. Dass in einigen Kommunikationen die Vorschläge schon als in Stein gemeißelt dargestellt werden, verstärkt diese Empfindung weiter. Falls dies die Vorboten eines neuen Management-Stils sind, werden wir uns der ruppigeren Herangehensweise des Arbeitgebers bei unseren Reaktionen anpassen müssen.

Trotz dieses nicht gelungenen Auftakts sind wir bereit, mit der Arbeitgeberseite in den mitbestimmungsrechtlichen Gremien über die vorgestellten Maßnahmen zu sprechen. Herr Al-Saleh hat mehrfach gesagt, dass wir in der jetzigen Situation ein großes Maß an Flexibilität an den Tag legen müssen.

Wir erwarten bei diesem Angebot insbesondere, dass er selbst bereit ist, bei begründeten Einwänden unserer Seite seine Pläne zu entsprechend zu ändern.

 

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Helmut Wagner                        
Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats T-Systems                             

Michael Jäkel
stellvertr. Aufsichtsrats-Vorsitzender T-Systems International GmbH und ver.di-Bundesfachgruppenleiter IT