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Regelungen zu möglichen temporären WAZ-Erhöhungen

Umsetzung von tariflichen Inhalten „einfach anders“!

Regelungen zu möglichen temporären WAZ-Erhöhungen

Tarifvertrag zur temporären Erhöhung der Wochenarbeitszeit

Zur Begleitung der arbeitgeberseitig geplanten Organisationsmaßnahme „einfach anders“ hat ver.di im letzten Jahr bereits umfangreiche Sicherungspakete mit der Arbeitgeberseite vereinbart.

Es wurden auch Regelungen zu Veränderungen in der Wochenarbeitszeit vereinbart. Neben der ab 2019 wirkenden allgemeinen Absenkung der Wochenar- beitszeit (in DT TS, DT Technik und DTKS auf 36 Stunden) wurden auch Regelungen zur Flexibilisierung der Wochenarbeitszeit erarbeitet, die zum Teil bereits ab 2017 gelten.

Hierzu hat ver.di deutlich gemacht, dass dies nur nach tarifvertraglicher Ausgestaltung umgesetzt werden kann.

Vor diesem Hintergrund haben ver.di und die Gesellschaften DT TS, DT Technik und DTKS den „Tarifvertrag zur vorläufigen Ausgestaltung der temporären Erhöhung der Wochenarbeitszeit“ verhandelt, der nun klärt, unter welchen Rahmenbedingungen dieses neue Instrument zur Anwendung kommen kann.

 

Betriebsparteien entscheiden über Möglichkeit der WAZ-Erhöhung

Mit dem aktuell verhandelten Tarifvertrag besteht für die Arbeitgeber die Möglichkeit, eine temporäre Erhöhung der Wochenarbeitszeit um 2 bzw. 4 Stunden beim Betriebsrat zu beantragen. In jedem Fall ist ver.di im Vorfeld über die betroffenen Bereiche und die vorgesehene Dauer zu unterrichten.

Die temporäre WAZ-Erhöhung ist jeweils für volle Monate zu vereinbaren und kann für eine Gesellschaft, einen Betrieb oder sogar nur für einzelne regionale oder funktionale Einheiten festgelegt werden.

Wer konkret in die temporäre Erhöhung einbezogen wird, ist zwischen dem Arbeitgeber und Betriebsrat zu entscheiden. Die Dauer der temporären WAZ-Erhöhung beträgt mindestens sechs Monate.

  • Auszug aus den Vereinbarungen „einfach anders“



    „Die wöchentliche Arbeitszeit (bis 31.12.2018 38 Std, danach 36 Std.) kann ab Inkrafttreten dieser Vereinbarung um 2 oder 4 Stunden erhöht werden. Für die Dauer der Erhöhung wird tariflichen Mitarbeitern eine zusätzliche Incentivierung gewährt

    • Bei einer temporären WAZ Erhöhung um 2 Std. (auf 40 h bis 31.12.2018, danach auf 38 h) wird dem LAZKO des Mitarbeiters ein Betrag in Höhe von 250 € (für 12 Monate, bei kürzerer Erhöhungszeit anteilig) gutgeschrieben.
    • Bei einer temporären WAZ Erhöhung um 4 Std. (auf 42 h bis 31.12.2018, danach auf 40 h) wird dem LAZKO des Mitarbeiters ein Betrag in Höhe von 500 € (für 12 Monate, bei kürzerer Erhöhungszeit anteilig) gutgeschrieben.


    Die durch die WAZ Erhöhung geleisteten Stunden werden dem LAZKO gutgeschrieben oder auf Wunsch des Mitarbeiters ausgezahlt. Zuschläge nach MTV fallen hierbei nicht an. Eine Entnahme von Zeit aus dem LAZKO richtet sich nach den Regelungen des TV LAZKO.

    Die Dauer der WAZ Erhöhung beträgt mindestens sechs Monate.

    Die Erhöhung der WAZ kann für eine Gesellschaft, einen Betrieb, regional oder für einzelne Funktionen nach folgendem Verfahren festgelegt werden:

    Die zuständigen Betriebsparteien entscheiden auf Initiative des Arbeitgebers über die hier inhaltlich abschließend geregelte Möglichkeit zur temporären WAZ Erhöhung. Im Falle der Nichteinigung entscheidet die Einigungsstelle gem. § 76 BetrVG.“



Bedingungen tariflich abgesichert – Incentivierung für Beschäftigte

Die Möglichkeit zur WAZ-Erhöhung ist grundsätzlich für alle tariflich beschäftigten ArbeitnehmerInnen der DTTS, der DT Technik und der DT KS möglich. Ausgenommen sind allerdings ArbeitnehmerInnen in Teilzeit, ATZ und Auszubildende / Dual Studierende. Für MitarbeiterInnen in Teilzeit besteht die Möglichkeit freiwillig an der WAZ-Erhöhung teilzunehmen.

Zusätzliche Zahlung für Beschäftigte

Für die Dauer der temporären Erhöhung der Wochenarbeitszeit wurde vereinbart, dass alle teilnehmenden Beschäftigten eine zusätzliche Zahlung (Incentivierung) erhalten.

  • Bei einer temporären WAZ Erhöhung um 2 Std. wird dem Lebensarbeitszeitkonto (LazKo) des Mitar- beiters ein Betrag in Höhe von 250 € (für 12 Monate, bei kürzerer Erhöhungszeit anteilig) gutgeschrieben.
  • Bei einer temporären WAZ Erhöhung um 4 Std. wird dem Lebensarbeitszeitkonto des Mitarbeiters ein Betrag in Höhe von 500 € (für 12 Monate, bei kürze- rer Erhöhungszeit anteilig) gutgeschrieben.

Auf Wunsch des Mitarbeiters/der Mitarbeiterin kann eine Auszahlung der durch die WAZ-Erhöhung erbrachten Arbeitsstunden und der zusätzlichen Incentivierung erfolgen. Hierzu ist eine Frist von 2 Monaten vor dem jeweiligen Quartalsende zu beachten.

MitarbeiterInnen ohne Lebensarbeitszeitkonto bekommen die durch die WAZ-Erhöhung geleisteten Stunden und die zusätzliche Incentivierung ausbezahlt, bis sie einen Antrag auf Einrichtung eines LazKo stellen und eine Wertguthabenvereinbarung abschließen.

 

TV AZK gilt unverändert fort – Einführung eines Sonderkontos

Der Tarifvertrag Arbeitszeitkonten gilt unverändert fort. Zur systemischen Umsetzung der temporären Erhöhung der Wochenarbeitszeit wird ein Sonderkonto eingeführt. Die zusätzlich geleisteten 2 bzw. 4 Arbeitsstunden werden wöchentlich vom Arbeitszeitkonto in das Sonderkonto gebucht. Aus dem Sonderkonto erfolgt dann jeweils zum Quartalsende die Überführung in das Lebensarbeitszeitkonto bzw. die Auszahlung (Bei DTKS gelten für die operativen Bereiche, abweichende Sonderregelungen).

Bei Abwesenheiten mit Entgeltfortzahlungsanspruch (z.B. Urlaub, Arbeitsbefreiung, Krankheit bis zu sechs Wochen) werden keine Minusstunden generiert.

 

Ankündigungen der Arbeitgeber

ver.di liegt aktuell eine Ankündigung der Arbeitgeberseite vor, die neue Möglichkeit der temporären Wochenarbeitszeiterhöhung, in bestimmten Bereichen der DT Technik nutzen zu wollen. Für den Service (DT KS, DTTS) ist aktuell keine temporäre WAZ- Erhöhung vorgesehen.

Die ver.di-Betriebsräte werden das Ansinnen der DT Technik in den nächsten Wochen intensiv prüfen und klären, ob dies mit der aktuellen Belastungssituation der Beschäftigten  in den Betrieben vereinbar ist.

 

Weitere Verhandlungskomplexe zur Gestaltung der Arbeitsbedingungen in den nächsten Monaten

Die nun getroffenen Vereinbarungen zur temporären Erhöhung der Wochenarbeitszeit stehen im direkten Zusammenhang mit dem umfassenden Sicherungspaket, das ver.di aktuell mit den Arbeitgebern zur Maßnahme „einfach anders“ verhandelt hat.

In den folgenden Monaten werden weitere Verhandlungen, unter anderem zur Konzernharmonisierung des Entgeltsystems und zu Tarifverträgen Sonderregelungen zur Begleitung der Betriebsübergänge von ver.di geführt.