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Kurzarbeit in Zeiten der Corona-Krise

Kurzarbeit in Zeiten der Corona-Krise

Bedingt durch Corona sind die T-Shops wieder geschlossen. Seit 1. Februar 2021 gibt es deshalb in der PVG wieder Kurzarbeit. Der Betriebsrat der PVG hat deshalb ein Interview mit ver.di-Tarifsekretär Pascal Röckert für ein BR-Info geführt. Er hat erfolgreich die Verhandlungen über die Verlängerung des Tarifvertrags Kurzarbeit für die PVG geführt.

FrageHallo Pascal, wie ist die Verlängerung des Tarifvertrages politisch einzuordnen?

Antwort Pascal: Im Frühjahr 2020 hat uns die Corona-Pandemie dazu gezwungen, sich intensiv mit der drohenden Kurzarbeit zu beschäftigen. Damals hatten wir die Situation, dass alle Shops aufgrund behördlicher Auflagen geschlossen werden mussten. Wir haben die Tarifrunde im Deutschland-Segment genutzt, um die bestehenden Regelungen zu Kurzarbeit zu modifizieren und zu verbessern. So haben wir den Arbeitgeberzuschuss von 80 % auf 85 % angehoben. In der Erwartung, dass wir bis heute aus dem Gröbsten raus sind, hatte diese verbesserte Regelung eine Laufzeit bis Ende Februar 2021. Die aktuelle Situation - damit meine ich die konkrete Anforderung der Arbeitgeber, auch im Jahr 2021 Kurzarbeit anordnen zu wollen - machte es nun erforderlich, den Tarifvertrag aus dem letzten Jahr zu verlängern. Dass uns das nun in den Verhandlungen mit der Arbeitgeberseite gelungen ist, ist ein gutes und starkes Signal.
Es vermittelt Kontinuität und Vertrauen in stürmischen Zeiten. Genau das, was die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter jetzt benötigen.
Kurzarbeit ist ein sinnvolles Mittel, um Arbeitslosigkeit zu verhindern. Unser Tarifvertrag sichert die Einkommen der ver.di Mitglieder, wenn Kurzarbeit unvermeidbar ist. Denn es geht hier schließlich grundsätzlich um so grundlegende Fragen wie die Sicherung des Arbeitslatzes und Entgelts. Alles essenzielle Dinge, die uns während der Pandemie neben der Sorge um die eigene Gesundheit und die unserer Familie seit nun fast einem Jahr umhertreiben und beschäftigen.

Frage: Warum ist es so wichtig, Kurzarbeit zu vermeiden?

Antwort Pascal: Das hat aus meiner Sicht zwei Gründe. Erstens: Die Ursache für die Kurzarbeit ist die coronabedingte Schließung der Shops. Dies bedeutet, dass aktuell keine Arbeit vorhanden ist, was auch eine Diskussion über Personalabbau auslösen kann. Kurzarbeit hilft hier, diese Zeiträume zu überbrücken. Sollte dies jedoch länger dauern, können Gefahren für die Arbeitsplätze insgesamt entstehen.
Zweitens: In Zeiträumen mit Kurzarbeit wird das Kurzarbeitergeld steuerfrei gezahlt. Dies sichert das monatliche Netto zu einem großen Teil. Dennoch wird das erhaltene Kurzarbeitergeld in der Jahresbetrachtung als zu
versteuerndes Einkommen angesehen. Bei langen Zeiträumen in Kurzarbeit kann also eine Steuerschuld entstehen, die erst zum Jahresende sichtbar wird.Unser Tarifvertrag beinhaltet Lösungen für beide Probleme und sichert die Einkommen der ver.di Mitglieder, wenn Kurzarbeit unvermeidbar ist. Dennoch sollte man dies nicht auf die leichte Schulter nehmen.
 
Frage: Wagen wir mal den Blick über den Tellerrand: Wie machen es andere Branchen? Wie gehen andere Unternehmen mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie um? Ist Kurzarbeit ein Thema bzw. sind sogar Arbeitsplätze bedroht?

Antwort Pascal: Die Corona-Pandemie trifft die Unternehmen in Deutschland ganz unterschiedlich, somit unterscheidet sich auch der Umgang damit. Einige Branchen sind weitaus härter durch die Corona-Pandemie getroffen als die TK.IT- Branche. Aktuell hilft Kurzarbeit auch diesen Unternehmen durch die Krise. Es bleibt allerdings festzustellen, dass viele Unternehmen Kurzarbeit nutzen, ohne eine Aufstockung für die Beschäftigten zu zahlen. Dies bringt Kolleginnen und Kollegen in finanzielle Notsituationen.
ver.di ist daher auf vielen Ebenen aktiv für unsere Mitglieder, um gesetzliche wie tarifvertragliche Regelungen zu Kurzarbeit im Sinne der Mitglieder verbessern. Ebenso unterstützen wir Betriebsräte bei Fragen des betrieblichem Gesundheitsschutz in Pandemie- Zeiten. Und hier beweist sich mal wieder, dass es in Krisenzeiten besonders wichtig ist, sich in einer starken Gewerkschaft zusammenzuschließen und in der Firma einen Betriebsrat zu haben.

Frage: Also sind wir in der Telekom mit dem einvernehmlichen Bekenntnis zur Kurzarbeit und dem jetzt verlängerten Tarifvertrag zur Kurzarbeit gut aufgestellt. Lass uns einen Ausblick wagen. Wo werden wir in einem halben Jahr stehen?

Antwort Pascal: Ich hoffe, dass Kurzarbeit im August der Vergangenheit angehören wird und wir keinen Tarifvertrag Kurzarbeit mehr benötigen werden, weil unter anderem die Mehrheit der Bevölkerung geimpft ist. Sollten sich die Dinge jedoch anders entwickeln, sehe ich ver.di und die DT PVG für die Zukunft gewappnet. In einem halben Jahr werden wir allerdings auch kurz vor der Bundestagswahl stehen, zu der sich die Parteien langsam in Stellung bringen.
Einen ersten Vorgeschmack konnte man am vergangenen Wochenende bekommen, als Wirtschaftsminister Altmaier den Verkauf der Anteile an Telekom, Post und anderen Unternehmen ins Spiel gebracht hat, um die Kosten der Corona-Pandemie zu bezahlen. Und dies, obwohl das Bundeskabinett die Deutsche Telekom AG als sicherheitsrelevant eingestuft hat. Wir finden, dass dieses Bekenntnis die Corona-Pandemie überdauern muss. Mit dem Verkauf würde Deutschland auf Einfluss bei der Netz-Infrastruktur verzichten und auf immense, jährliche Einnahmen durch Dividenden verzichten. Ein zentrales Thema der Bundestagswahl wird also sein, wie wir mit den Kosten der Corona-Pandemie umgehen und wer dafür aufkommen muss.
Darüber hinaus geht es um die Zukunft der Arbeit, einen modernen Sozialstaat und eine gerechte Steuerpolitik. ver.di wird sich auch hier aktiv für die Interessen der Kolleginnen und Kollegen einsetzen.

Das Redaktionsteam bedankt sich bei Pascal Röckert für das offene und aufschlussreiche Gespräch!

Ihr Betriebsrat der PVG