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Unsicherheit und Solidarität

Unsicherheit und Solidarität

Offenbar hat der Arbeitgeber nun alle Beschäftigten über die Verkäufe der Standorte Telefónica Germany Customer Service GmbH (TGCS) Essen und  Berlin informiert. Die gewählte Formulierung des Arbeitgebers im Intranet der Telefónica war - vorsichtig gesagt - unglücklich. Das wird sehr wohl von den Beschäftigten an anderen Standorten, und auch außerhalb der TGCS-Betriebe, wahrgenommen. Die Wortwahl des Arbeitgebers sorgt für wachsende Verunsicherung bei den Beschäftigten.
 
ver.di hört zu

Da über die Verkäufe sehr wenig bekannt ist und die Verträge mit Transcom nicht offengelegt werden, ist völlig unklar, inwieweit der neue Besitzer der TGCSn Essen und Berlin die Arbeitsplätze, die Standorte und die Vergütungsstrukturen beibehält oder möglicherweise verändern will. Deshalb kann ver.di zur Zeit auch nicht mehr tun, um weitergehende Infos zu sammeln und zu analysieren. Aber wir hören den betroffenen Kolleginnen und Kollegen zu, die uns kontaktieren und sich beraten wollen. Auch kontaktiert ver.di die Transcom, um mehr zu erfahren, da von Seiten der Telefónica die detaillierten Konditionen weitgehend unter Verschluss gehalten werden.
 

Besorgnis und Emigration


Viele Kolleginnen und Kollegen, die uns in diesen Tagen kontaktieren, sind frustriert, da Telefónica Preise für den tollen Kundendienst gewinnt und sehr gute Geschäftsergebnisse erwirtschaftet. Ausgerechnet jetzt, wo es wieder aufwärtsgeht, verkauft Telefónica über 550 seiner Beschäftigten. Das empfinden einige als Verrat. Kolleginnen und Kollegen berichten uns, dass sie das Vertrauen zu Telefónica verlieren und ihre Bindung. Sie wenden sich innerlich von „ihrem“ Unternehmen ab. Psychologen sprechen in diesen Zusammenhang von „innerlicher Emigration“.
ver.di wundert sich vor diesem Hintergrund über die exzellenten Ergebnisse der letzten Mitarbeiterbefragungen. Viele Kolleginnen und Kollegen, die mit ver.di sprechen, berichten, dass diese unter dem Einfluss von Vorgesetzten, Team- und Standortleitungen, entstehen. Wenn in Betrieben die Mitarbeiterbefragungen schlecht ausfielen, könnte dies Auswirkungen auf den Fortbestand des jeweiligen Standorts haben, so die Führungskräfte gegenüber den Mitarbeiter*Innen. Unter dem Druck dieser Behauptung füllen Beschäftigte ihre Fragebögen offensichtlich positiver aus. Das erklärt aus unserer Sicht einen Teil der guten Ergebnisse aus den Mitarbeiterbefragungen.


Heute ihr, morgen wir?!

Was für die betroffenen Betriebsräte und Beschäftigte in Essen und Berlin wohltuend ist, sind die Solidaritätsbekundungen der Kolleginnen und Kollegen aus anderen Betrieben. Viele Kolleginnen und Kollegen der Telefónica, die uns kontaktieren, denken nach dem Motto: „Heute sind meine Kollegen in Berlin und Essen dran, morgen dann ich und meine Leute.“ Obwohl die Qualität und die Zahlen stimmen und wir mitten in einer Pandemie stecken, macht Telefónica diesen Schritt. Das ist offensichtlich erschreckend für viele Beschäftigte.


Teamgeist und Solidarität

ver.di stellte bislang fest, dass es Telefónica geschafft hat, die Sparten und Betriebe so zu zergliedern, dass ein Zusammengehörigkeitsgefühl komplett unterentwickelt bleibt. Viele Beschäftigte denken auch fast sieben Jahre nach der Fusion noch in grün und blau. Das ist ein Komplettversagen der emotionalen und kulturellen Integration von Kolleginnen und Kollegen, die in einem Boot sitzen. Das ist für den Arbeitgeber gut, weil Widerstände für schmerzhafte Management-Maßnahmen begrenzt wirken und gering bleiben. Für die Beschäftigten ist es jedoch schlecht. Seit der Fusion von E-Plus und Telefónica sind mehrere tausend Arbeitsplätze abgebaut worden. Und es wird weitergehen, prognostiziert ver.di. Die Beschäftigten müssen zusammenrücken und sich solidarisieren, um „ihr“ Unternehmen mitzugestalten und zu verändern. Zu viel Profit der Telefónica fließt nach Spanien, zu wenig davon bleibt bei den Beschäftigten hängen!
Beschäftigte sind sogenannte Stakeholder (Teilhaber, Anspruchsberechtigte) der Telefónica. Sie haben Ansprüche, an denen sich ein Unternehmen orientieren und ausrichten muss. Ein Unternehmen ist allen Stakeholdern verpflichtet! Andere Stakeholder sind Kunden, Lieferanten oder auch Aktionäre. Aber eine Telefónica-Kollegin bringt es auf den Punkt: „Erst kommen die Aktionäre, dann die anderen und erst ganz am Ende kommen irgendwann wir, die Beschäftigten.“


 
Telefónica-Beschäftigte ver.dienen mehr!
 
https://mitgliedwerden.verdi.de
 

Kontakt zu ver.di