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Neuer ver.di-Newsletter – kabelvernetzt –

Neuer ver.di-Newsletter – kabelvernetzt –

 

Nr. 2/2021

Liebe Kollegin, lieber Kollege,

schon ist ein Quartal vorbei – Zeit für einen weiteren Newsletter! Diesmal widmen wir uns dem Thema „Tarif“.

Wie funktionieren Tarifverhandlungen eigentlich und wie kommt man überhaupt dahin? Warum ist ein Tarifvertrag so sinnvoll? Für wen gilt der Tarifvertrag und was passiert, wenn er nicht erfüllt wird?
In einem Interview wird Tim Feise einige dieser Fragen beleuchten. Tim ist hauptamtlicher Tarifverhandler bei ver.di – ein sogenannter Tarifsekretär. Nach vielen Jahren als Betriebsrat und ehrenamtliches Mitglied einer Tarifkommission, kennt er auch aus diesem Kontext viele Facetten der betrieblichen Gewerkschaftsarbeit.

Um sich „den Weg zum Tarifvertrag“ besser vorstellen zu können, begleiten wir ein ver.di-Mitglied von der Idee der Gerechtigkeit im Betrieb bis zum Abschluss eines Tarifvertrags.

Und zu guter Letzt gehen wir in unserer Rubrik „Schon gewusst?“ auf die Rechtsberatung von ver.di ein. Die braucht man nämlich, wenn es mal hakt.

 

Tim Feise Kay Herschelmann Tim Feise  – ist Tarifsekretär im Bereich Tarifpolitik Grundsatz


Interview mit Tim Feise

Tim Feise ist Tarifsekretär im Bereich Tarifpolitik Grundsatz des Bundesfachbereiches TK.IT. Tim ist im Fachbereich für die tarifpolitische Koordination der Kabelnetzbetreiber und der IT- Unternehmen zuständig. Er ist zuständig für die einheitliche Einhaltung der tarifpolitischen Grundsätze und Ziele. U. a. ist er Verhandlungsführer bei den mit ver.di tarifierten Unternehmen der Vodafone.


Lieber Tim, mit welchen tarifrechtlichen Herausforderungen hast du es im Bereich der Kabelnetzbetreiber besonders zu tun?

Vieles was für andere Bereiche gilt, gilt auch für die Tarifarbeit bei den Kabelnetzbetreibern.

Besonderheiten gibt es z. B. bei den Kabelgesellschaften der Vodafone. Durch die unterschiedliche Herkunft der jeweiligen Gesellschaften sind die Rahmenbedingungen hier anders als bei Betrieben, die sich immer im selben Unternehmen bzw. Konzern befunden haben. Die Basis der ver.di-Tarifverträge ist weitgehend identisch. Es gibt aber für jede Gesellschaft Regelungen, die sich in der Vergangenheit unterschiedlich entwickelt haben. Dazu kommt noch, dass Teile der Vodafone untarifiert sind und in anderen Teilen Tarifverträge einer anderen Gewerkschaft gelten.

Die strategische Ausrichtung der Kabelnetzbetreiber hat sich im Laufe der Zeit kontinuierlich verändert. Die Vielfalt der Angebote und die Auswirkungen der Digitalisierung verändern die Arbeitsanforderungen. Hinzu kommen neue Formen der Zusammenarbeit. Dies alles erfordert natürlich auch eine kontinuierliche Entwicklung der jeweiligen Tarifverträge.

Welche Erfolge hat die Tarifpolitik in dieser Branche zu verzeichnen?

ver.di ist die zuständige Gewerkschaft für die Telekommunikations- und IT-Branche. Hier haben wir in vielen Unternehmen Tarifverträge vereinbart und erzielen sehr gute tarifliche Ergebnisse in der Entgeltentwicklung und in der weiteren Ausgestaltung der Arbeitsbedingungen. Auch die Unterschiede zu den untarifierten Unternehmen zeigen, dass wir hier sehr erfolgreich unterwegs sind.

Eine gute Vorbereitung und Verhandlungsgeschick sind dafür natürlich wichtig – viel wichtiger ist aber die Unterstützung und die Rückendeckung der ver.di- Mitglieder. Ohne sie ist eine Durchsetzung der Interessen nicht möglich. Dazu gehört natürlich, dass sich viele Beschäftigte in der Gewerkschaft organisieren. Denn nur als Mitglied können die Kolleginnen und Kollegen bei uns mitdiskutieren und mitentscheiden. Oder anders ausgedrückt: Auch in einem Sportverein, darf man nur als Vereinsmitglied mitmachen.

 

Neues Jahr, neue… Tarifverhandlungen!

Der Weg zum Tarifvertrag.
Ohne die Beschäftigten läuft nichts – irgendwann fällt irgendwem auf, dass irgendwas fehlt oder nicht ganz gerecht zugeht. Das ist schon mal der erste Schritt.

„Irgendwen“ – geben wir jetzt mal den Namen Jona und Jona begleiten wir auf dem Weg zum Tarifvertrag:

Egal ob Gehalt, Höhe des Urlaubsanspruchs oder Arbeitszeit – die Regelungen für Beschäftigte sind mit Tarifvertrag meist besser als ohne. Und auch gerechter, da diese Regelungen nicht von jedem Einzelnen mit dem Arbeitgeber verhandelt werden müssen.

Das stellt auch Jona fest und spricht mit ein paar Kolleg:innen im Betrieb darüber. Beschäftigte können hier durchaus aktiv werden! Gemeinsam suchen sie den Kontakt zu ihrer Gewerkschaft ver.di. Die Verbindung hat Jona einfach  über https://www.verdi.de/wegweiser/verdi-finden hergestellt und nach einem ersten Telefonat mit der zuständigen ver.di-Kollegin, wurde ein Treffen vereinbart.

Der nächste Schritt ist nun die eigene Mitgliedschaft in der Gewerkschaft und es geht darum das viele Kolleg:innen mitmachen. Denn „Gewerkschaft“ ist nicht die ver.di-Kollegin mit der Jona und die Mitstreiter:innen sich treffen – Gewerkschaft sind wir alle gemeinsam und nur so kann es funktionieren. Eine Gewerkschaft kann nur für ihre Mitglieder verhandeln. Je mehr wir sind, desto stärker sind wir auch!

Jetzt gilt es in die Diskussion zu gehen, gemeinsam – z. B. in Mitgliederversammlungen – Forderungen aufzustellen. Der Weg dorthin kann lang oder auch recht kurz sein, es kommt ganz darauf an wie einig sich die Beschäftigten sind. Wichtig ist aber immer im Blick zu behalten, dass es eine starke Basis braucht. Denn um einen Tarifvertrag beim Arbeitgeber durchzusetzen bedarf es manchmal langen Atem und Kraft – nicht jeder Arbeitgeber ist begeistert von solchen Plänen, dessen sollte man sich schon bewusst sein. Einigkeit unter den Kolleg:innen, welche ggf. zum Beispiel mit Aktionen demonstriert wird, ist hier ein starkes Signal.

Der letzte Schritt ist nun die tatsächliche Tarifverhandlung. Eine Kommission aus ver.di- Mitgliedern des Betriebes mit einer Verhandlungsführerin bzw. einem Verhandlungsführer, die/der bei ver.di arbeitet, verhandelt mit dem Arbeitgeber (bei einem Haustarifvertag) bzw. einem Arbeitgeberverband (z. B. bei einem Flächentarifvertrag). Hier entscheidet es sich nun: Kommt ein Ergebnis zustande ist alles gut und der Tarifvertrag steht. Ist dies jedoch nicht der Fall, muss Druck aufgebaut werden. Mit Aktionen, Warnstreiks oder Streiks kann dem Arbeitgeber das Ansinnen der Beschäftigten noch einmal verdeutlicht werden.

Liegt nun ein Angebot vor, dem die Tarifkommission zustimmen kann, ist es vollbracht: Der Tarifvertrag steht!

Nach einer wirklich aufregenden Zeit, konnten Jona und die Kolleg:innen einen höheren Urlaubsanspruch und auch ein zusätzliches Urlaubsgeld gewerkschaftlich durchsetzen. Außerdem ist die Bezahlung nun echt transparent, da die Gehaltsstufen in einem Entgelttarifvertrag geregelt sind, Das gefällt auch ihrem Arbeitgeber, denn es schafft für ihn eine Planbarkeit der Kosten.

 

Schon gewusst? Der ver.di-Mitgliederservice

Rechtsberatung und Rechtsschutz
Das Papier – der Tarifvertrag – ist die eine Sache, ausschlaggebend ist natürlich die Umsetzung. Neben einem Betriebsrat, der innerhalb des Betriebes auf die Umsetzung von Gesetzen, Verordnungen und eben auch tariflichen Regelungen achtet, ist es manchmal vonnöten genau diese dann eben auch individualrechtlich einzufordern.

Neben einer Arbeitsrechtsberatung bietet ver.di für ihre Mitglieder auch einen konkreten Arbeitsrechtsschutz und somit für den Fall der Fälle auch eine Vertretung bis vor Gericht. Wir arbeiten hier eng mit der DGB Rechtsschutz GmbH zusammen.

Im Übrigen gilt der Rechtsschutz auch für das Sozialrecht und einige andere Bereiche.

Mehr dazu gibt’s hier: https://www.verdi.de/service/mitgliederleistungen/ und natürlich im Mitgliedernetz.

 

Bis bald im neuen Newsletter, Ihr Team-kabelvernetzt